Vom Telegram-Projekt zur eigenständigen Blockchain
The Open Network, ursprünglich unter dem Namen Toncoin bekannt und hier als Gram gelistet, hat seinen Ursprung in einem Blockchain-Projekt, das vom Team hinter dem Messenger Telegram initiiert wurde. Ziel war es, eine Infrastruktur zu schaffen, die schnelle und günstige Transaktionen in großem Maßstab ermöglicht und sich nahtlos in eine bereits von hunderten Millionen Menschen genutzte Kommunikationsplattform integrieren lässt. Nachdem sich Telegram aus regulatorischen Gründen aus dem ursprünglichen Projekt zurückziehen musste, wurde die Entwicklung von einer unabhängigen Open-Source-Community fortgeführt.
Das grundlegende Problem, das gelöst werden sollte, war die Frage, wie man Blockchain-Technologie so massentauglich gestaltet, dass sie für Zahlungen, Mini-Anwendungen und digitale Dienste innerhalb einer bereits etablierten Nutzerbasis praktikabel wird, ohne dass Nutzer komplizierte technische Hürden überwinden müssen.
Sharding als Antwort auf das Skalierungsproblem
Technisch setzt The Open Network auf eine dynamische Sharding-Architektur, bei der das Netzwerk in mehrere parallel arbeitende Teilketten aufgespalten werden kann, die je nach Bedarf automatisch skalieren. Dieses Design soll es ermöglichen, eine sehr hohe Anzahl an Transaktionen gleichzeitig zu verarbeiten, ohne dass das gesamte Netzwerk verlangsamt wird, ein Ansatz, der sich von vielen anderen Blockchains unterscheidet, die alle Transaktionen über eine einzige Kette abwickeln. Der Konsens basiert auf Proof of Stake, bei dem Validatoren Token hinterlegen, um Transaktionen zu bestätigen und dafür Belohnungen erhalten.
Der native Token dient als Zahlungsmittel für Transaktionsgebühren, als Einsatz für Validatoren und als Grundlage für Anwendungen, die direkt in Telegram als sogenannte Mini-Apps eingebettet werden können, etwa für Zahlungen zwischen Nutzern oder digitale Güter.
Wachstum durch die Telegram-Anbindung
In der Praxis profitiert The Open Network stark von seiner engen Verbindung zu Telegram, über das zahlreiche Mini-Apps, Spiele und Zahlungsfunktionen direkt an die riesige Nutzerbasis der Plattform herangetragen werden. Diese Integration hat dem Projekt einen spürbaren Zulauf an neuen Nutzern verschafft, die über den Messenger erstmals mit Blockchain-Anwendungen in Kontakt kommen, oft ohne sich dessen bewusst zu sein. Die Weiterentwicklung liegt in den Händen einer dezentralen Gemeinschaft aus Entwicklern und Validatoren, wobei die Foundation hinter dem Projekt eng mit Telegram-nahen Akteuren verbunden bleibt.
Zahlreiche Partnerschaften mit Börsen, Zahlungsanbietern und Entwicklerstudios wurden in den vergangenen Jahren geschlossen, um das Ökosystem rund um Mini-Apps und digitale Dienste innerhalb von Telegram weiter auszubauen.
Abhängigkeit von einer einzelnen Plattform
Die enge Verzahnung mit Telegram ist zugleich die größte Stärke und die größte Schwäche des Projekts. Sollte sich Telegram aus regulatorischen, geschäftlichen oder technischen Gründen von der Integration zurückziehen oder eigene Wege gehen, würde ein wesentlicher Wachstumstreiber wegfallen, ohne dass klar ist, wie tragfähig das Netzwerk ohne diese Anbindung wäre. Zudem steht Telegram als Unternehmen selbst wiederholt im Fokus regulatorischer Diskussionen in verschiedenen Ländern, was indirekt auch auf die mit ihm verbundene Blockchain ausstrahlen kann.
Die Dezentralität des Netzwerks wird von Kritikern angezweifelt, da ein erheblicher Teil der Validatoren und der Entwicklung nahe an ursprünglichen Telegram-Strukturen verortet wird. Hinzu kommt scharfe Konkurrenz durch andere skalierbare Blockchains, die ähnliche technische Versprechen machen, sowie die generelle regulatorische Unsicherheit rund um Token, die eng mit Messaging-Plattformen verknüpft sind.