Krypto-Lexikon
Fork
Ein Fork ist die Aufspaltung des Regelwerks oder der Historie einer Blockchain, meist ausgelöst durch grundlegende Meinungsunterschiede innerhalb der Entwickler- und Nutzer-Community über zukünftige Protokollregeln. Man unterscheidet dabei vor allem zwischen Soft Forks, die abwärtskompatibel bleiben, und Hard Forks, aus denen eine komplett eigenständige neue Kryptowährung entstehen kann.
Grundprinzip einer Blockchain-Aufspaltung
Eine Blockchain funktioniert nur, wenn sich alle teilnehmenden Netzwerkknoten auf ein gemeinsames Regelwerk einigen, nach dem Transaktionen und Blöcke als gültig anerkannt werden. Ein Fork entsteht, wenn ein Teil der Netzwerkteilnehmer diese Regeln ändern möchte, während ein anderer Teil an den bisherigen Regeln festhält. Technisch bedeutet das, dass die Blockchain sich ab einem bestimmten Block in zwei Versionen aufteilt, die von diesem Zeitpunkt an unabhängig voneinander weiterlaufen.
Der Begriff Fork, englisch für Gabel, veranschaulicht bildlich diesen Verzweigungspunkt: Bis zu einem gewissen Block teilen sich beide Ketten dieselbe Historie, danach entwickeln sie sich getrennt weiter. Je nachdem, wie tiefgreifend die Änderung ist und ob die neuen Regeln mit den alten kompatibel bleiben, spricht man von einem Soft Fork oder einem Hard Fork.
Soft Fork versus Hard Fork
Ein Soft Fork verändert die Protokollregeln so, dass Knoten mit der alten Software weiterhin Blöcke der neuen Regeln akzeptieren können, ohne selbst zu aktualisieren. Dadurch bleibt die Blockchain als eine einzige Kette bestehen, auch wenn nicht alle Teilnehmer gleichzeitig upgraden. Ein bekanntes Beispiel ist die Einführung von Segregated Witness bei Bitcoin im Jahr 2017, die Transaktionsdaten effizienter strukturierte, ohne die Blockchain zu spalten.
Ein Hard Fork hingegen führt zu einer echten, unumkehrbaren Aufspaltung, weil die neuen Regeln nicht mehr mit alten Knoten kompatibel sind. Wer nicht aktualisiert, bleibt auf der alten Kette, während sich eine parallele, neue Blockchain mit eigenem Coin etabliert. Genau das geschah 2017 bei der Abspaltung von Bitcoin Cash von Bitcoin, ausgelöst durch einen langjährigen Streit über die maximale Blockgröße und damit über die Skalierbarkeit des Netzwerks.
Ursachen und historische Beispiele
Forks entstehen meist aus fundamentalen Meinungsverschiedenheiten innerhalb einer Community, etwa über Blockgröße, Transaktionsgebühren, Sicherheitskonzepte oder den Umgang mit Hackerangriffen. Ein besonders prägnantes Beispiel außerhalb von Bitcoin ist der Hard Fork von Ethereum im Jahr 2016, der nach dem Hack der sogenannten DAO durchgeführt wurde, um gestohlene Gelder rückgängig zu machen. Wer diesen Eingriff aus Prinzip ablehnte, blieb auf der ursprünglichen Kette, die bis heute als Ethereum Classic weiterexistiert.
Auch bei Bitcoin selbst kam es nach der Abspaltung von Bitcoin Cash zu weiteren Forks, etwa der Entstehung von Bitcoin SV im Jahr 2018, was zeigt, dass ein einmal gestartetes Projekt sich beliebig oft weiter aufspalten kann, sobald erneut fundamentale Uneinigkeit über Protokollregeln entsteht.
Bedeutung für Anleger und Nutzer
Für Anleger ist ein Hard Fork insbesondere deshalb relevant, weil zum Zeitpunkt der Aufspaltung jeder Coin-Inhaber der ursprünglichen Blockchain automatisch die gleiche Anzahl an Einheiten der neuen Kette erhält, sofern er die Coins selbst verwaltet und nicht auf einer Börse liegen hat, die den Fork nicht unterstützt. Wer beispielsweise zum Zeitpunkt der Bitcoin-Cash-Abspaltung Bitcoin besaß, erhielt entsprechend auch Bitcoin Cash, musste diese Ansprüche jedoch aktiv sichern und häufig manuell beanspruchen.
Gleichzeitig bergen Forks Risiken: Kursschwankungen rund um das Ereignis, technische Unsicherheiten bei der Trennung sowie mögliche Verwechslungsgefahr zwischen den entstehenden Coins erfordern erhöhte Aufmerksamkeit. Langfristig entscheidet meist der Markt selbst, welche der entstandenen Ketten sich durchsetzt, während die andere häufig deutlich an Bedeutung und Handelsvolumen verliert.