Ein Geldmarktfonds als Blockchain-Token
Der Spiko Amundi Overnight Swap Fund EUR, kurz EURSAFO, ist kein klassischer Kryptowert im Sinne einer eigenständigen Blockchain oder eines spekulativen Projekts, sondern die tokenisierte Abbildung eines regulierten Geldmarktfonds. Hinter dem Produkt steht das französische Fintech-Unternehmen Spiko in Zusammenarbeit mit dem großen Vermögensverwalter Amundi. Das zu lösende Problem ist die mangelnde Verfügbarkeit klassischer, kurzfristiger Zinsinstrumente in der on-chain-Welt: Institutionelle Nutzer, die Euro-Guthaben kurzfristig parken und dabei eine marktnahe Verzinsung erzielen möchten, mussten dafür bislang traditionelle Bankkanäle nutzen.
EURSAFO bringt diese Funktion auf eine Blockchain, sodass die Anteile digital gehalten, übertragen und in andere on-chain-Prozesse wie Treasury-Management oder Abwicklung von Krypto-Geschäften eingebunden werden können, ohne dass institutionelle Standards bei Regulierung und Verwahrung aufgegeben werden müssen.
Wie sich der Tokenwert zusammensetzt
Technisch handelt es sich bei EURSAFO um einen Token, der Anteile an einem Fondsvermögen repräsentiert, das überwiegend in besicherte Euro-Overnight-Swap-Geschäfte investiert ist. Diese Geschäfte bilden näherungsweise den kurzfristigen Euro-Zinssatz ab, wie er etwa am Interbankenmarkt gehandelt wird. Der Wert des Tokens steigt mit der Zeit entsprechend dieser Zinserträge an, ähnlich wie bei einem Sparbrief mit täglicher Zinsgutschrift, nur dass die Wertsteigerung direkt im Tokenpreis abgebildet wird statt in einer separaten Zinszahlung.
Da die Notierung des Tokens am Markt in US-Dollar erfolgt, der zugrunde liegende Fonds aber in Euro denominiert ist, wirkt sich zusätzlich die Entwicklung des EUR/USD-Wechselkurses auf den in Dollar angezeigten Preis aus. Wer den Token hält, trägt somit sowohl das Zinsrisiko als auch ein Währungsrisiko, auch wenn das zugrunde liegende Fondsvermögen selbst als vergleichsweise sicher gilt.
Zielgruppe institutionelle Treasury-Verwaltung
EURSAFO richtet sich nicht an Privatanleger im klassischen Sinne, sondern an institutionelle Marktteilnehmer, etwa Krypto-Unternehmen, Fonds oder Handelsfirmen, die überschüssige Euro-Liquidität kurzfristig und dennoch verzinst parken möchten, ohne auf traditionelle Bankprodukte zurückzugreifen. Der Reiz liegt in der Kombination aus regulierter Fondsstruktur und blockchain-nativer Handhabung, die eine schnellere Verrechnung und Integration in bestehende on-chain-Workflows ermöglicht. Amundi bringt dabei die etablierte Expertise eines traditionellen Vermögensverwalters ein, während Spiko die technische Infrastruktur und den Zugang zur Blockchain-Welt bereitstellt.
Seit der vollständigen Geltung der EU-Verordnung MiCA Ende 2024 unterliegen solche tokenisierten Finanzprodukte in Europa einem klareren regulatorischen Rahmen, was für institutionelle Nutzer ein wichtiges Argument für die Nutzung solcher Instrumente darstellt, da Rechtssicherheit in diesem Marktsegment traditionell ein zentrales Anliegen ist.
Kein renditefreies Produkt trotz geringer Volatilität
Auch wenn EURSAFO im Vergleich zu klassischen Kryptowährungen als risikoarm gilt, ist der Token nicht frei von Risiken. Das Wechselkursrisiko zwischen Euro und US-Dollar kann bei der Dollar-Notierung zu Wertschwankungen führen, die nichts mit der eigentlichen Fondsperformance zu tun haben. Zudem bleibt ein Kontrahenten- und Verwahrrisiko bestehen, da der Nutzer letztlich auf die korrekte Verwaltung des zugrunde liegenden Fondsvermögens durch Spiko und Amundi sowie auf die technische Zuverlässigkeit der Tokenisierungsinfrastruktur vertrauen muss.
Anders als bei einem klassischen Bankeinlagenkonto greift hier keine staatliche Einlagensicherung. Auch regulatorische Änderungen, etwa im Umgang mit tokenisierten Fondsanteilen unter MiCA oder künftigen Anpassungen der Verordnung, könnten die Struktur oder Verfügbarkeit solcher Produkte beeinflussen. Wer EURSAFO nutzt, sollte sich außerdem bewusst sein, dass die Liquidität und Handelbarkeit solcher spezialisierten institutionellen Token geringer ausfallen kann als bei etablierten Kryptowerten.