Krypto-Lexikon
Leverage (Hebel)
Leverage bezeichnet den Handel mit geliehenem Kapital, um die Wirkung von Kursbewegungen auf die eigene Position zu vervielfachen. Ein Hebel von 10 verzehnfacht sowohl mögliche Gewinne als auch mögliche Verluste im Vergleich zum eingesetzten Eigenkapital.
Was Leverage konkret bedeutet
Leverage, zu Deutsch Hebel, beschreibt eine Handelsform, bei der Trader nicht nur ihr eigenes Kapital einsetzen, sondern zusätzlich geliehenes Geld von einer Börse oder einem Broker nutzen, um größere Positionen zu eröffnen. Wer mit 1.000 Euro Eigenkapital und einem Hebel von 10 handelt, kontrolliert faktisch eine Position im Wert von 10.000 Euro. Steigt der Kurs des zugrunde liegenden Vermögenswerts um 5 Prozent, wächst der Gewinn bezogen auf das eingesetzte Eigenkapital nicht um 5, sondern um rund 50 Prozent.
Dieses Prinzip funktioniert in beide Richtungen: Fällt der Kurs um 5 Prozent, verliert die Position bezogen auf das Eigenkapital etwa 50 Prozent ihres Wertes. Leverage existiert vor allem im Derivatehandel, etwa bei Futures oder Perpetual Swaps, die auf vielen großen Krypto-Handelsplätzen angeboten werden, teils mit Hebeln von 5, 10, 50 oder in Extremfällen sogar über 100.
Warum Hebel überhaupt angeboten werden
Gehebelter Handel existiert, weil er Tradern erlaubt, mit vergleichsweise wenig Kapital größere Marktbewegungen auszunutzen, ohne den vollen Positionswert selbst aufbringen zu müssen. Für professionelle Marktteilnehmer dient Leverage zudem zur Absicherung bestehender Bestände, etwa wenn ein Anleger physisches Bitcoin hält und über eine gehebelte Short-Position kurzfristige Kursrückgänge abfedern möchte, ohne die eigentlichen Coins verkaufen zu müssen. Handelsplätze bieten Hebelprodukte an, weil sie damit Handelsvolumen und Gebühreneinnahmen erhöhen. Für viele Privatanleger wirkt der Hebel jedoch vor allem verlockend, weil er die Aussicht auf schnelle, überproportionale Gewinne verspricht.
Genau diese Verlockung macht Leverage zugleich zu einem der riskantesten Instrumente im Kryptomarkt, da die hohe Volatilität von Kryptowährungen die Effekte des Hebels zusätzlich verstärkt.
Das Risiko in der Praxis
Die entscheidende Kehrseite von Leverage ist, dass Verluste genauso vervielfacht werden wie Gewinne, und dass Positionen bereits bei relativ kleinen Kursbewegungen komplett ausgelöscht werden können. Bei einem Hebel von 10 reicht theoretisch schon ein Kursrückgang von rund 10 Prozent gegen die eigene Position, um das gesamte eingesetzte Kapital zu verlieren, bei einem Hebel von 100 wären es nur etwa 1 Prozent. Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum können innerhalb weniger Stunden Kursschwankungen von mehreren Prozentpunkten aufweisen, was gehebelte Positionen besonders anfällig macht.
Erschwerend kommt hinzu, dass Börsen zusätzliche Finanzierungskosten für gehaltene Hebelpositionen berechnen, die sich über die Zeit summieren. Aus diesem Grund gilt gehebelter Handel selbst unter erfahrenen Marktteilnehmern als hochspekulativ und wird von Aufsichtsbehörden in vielen Ländern, auch im Rahmen der europäischen MiCA-Regulierung, mit besonderen Warn- und Informationspflichten versehen.
Zusammenhang mit Liquidation und Marktverhalten
Leverage steht in engem Zusammenhang mit dem Konzept der Liquidation, also der Zwangsschließung einer Position, wenn die hinterlegte Sicherheit die entstandenen Verluste nicht mehr abdeckt. Je höher der gewählte Hebel, desto näher liegt der sogenannte Liquidationspreis am aktuellen Marktpreis, und desto schneller kann eine Position zwangsweise geschlossen werden. In Phasen starker Marktbewegungen führt dies häufig zu kaskadenartigen Liquidationswellen, bei denen viele gehebelte Positionen nahezu gleichzeitig geschlossen werden und dadurch die ursprüngliche Kursbewegung noch verstärken.
Solche Ereignisse haben in der Vergangenheit wiederholt zu besonders scharfen, kurzfristigen Kursausschlägen im Kryptomarkt beigetragen. Wer mit Hebel handelt, sollte sich daher stets bewusst sein, dass nicht nur die eigene Markteinschätzung über Erfolg oder Misserfolg entscheidet, sondern auch das kollektive Verhalten anderer gehebelter Marktteilnehmer eine erhebliche Rolle spielt.