Krypto-Lexikon
Liquidation
Liquidation bezeichnet die zwangsweise Schließung einer gehebelten Handelsposition, wenn die hinterlegte Sicherheit die aufgelaufenen Verluste nicht mehr abdeckt. Häufen sich Liquidationen in kurzer Zeit, können sie Kursbewegungen kaskadenartig verstärken.
Wie eine Liquidation entsteht
Wenn Trader mit Leverage handeln, hinterlegen sie bei ihrer Börse eine sogenannte Margin als Sicherheit für die geliehene Kapitalsumme. Bewegt sich der Kurs gegen die eröffnete Position, sinkt der Wert dieser Sicherheit kontinuierlich. Fällt die Margin unter eine bestimmte Schwelle, greift die Börse automatisch ein und schließt die Position zwangsweise, um zu verhindern, dass der Verlust das hinterlegte Kapital übersteigt und die Börse selbst auf den überschießenden Verlust sitzen bleibt.
Dieser Vorgang wird als Liquidation bezeichnet. Der genaue Kurs, bei dem dies passiert, heißt Liquidationspreis und lässt sich vorab berechnen, abhängig von der Höhe des Hebels, der eingesetzten Margin und der Positionsgröße. Je höher der Hebel, desto näher liegt dieser Preis am aktuellen Marktniveau, weshalb stark gehebelte Positionen schon bei kleinen Kursbewegungen liquidiert werden können.
Warum Börsen diesen Mechanismus brauchen
Der Liquidationsmechanismus existiert vor allem zum Schutz der Handelsplätze und des gesamten Systems vor negativen Guthaben. Ohne automatische Zwangsschließung könnte ein Verlust theoretisch das eingesetzte Kapital eines Traders übersteigen, wodurch die Börse oder andere Marktteilnehmer den Fehlbetrag ausgleichen müssten. Um dieses Risiko zu begrenzen, überwachen Handelsplätze offene Positionen in Echtzeit und greifen ein, bevor es zu einem solchen Negativsaldo kommt. Zusätzlich gibt es oft einen sogenannten Insurance Fund, also einen Versicherungsfonds, der aus Gebühreneinnahmen gespeist wird und verbleibende Lücken abfedern soll, falls eine Liquidation nicht schnell genug zum errechneten Preis ausgeführt werden kann.
Für einzelne Trader bedeutet dieser Mechanismus, dass ihr maximaler Verlust in der Regel auf die eingesetzte Margin begrenzt bleibt, was zugleich die einzige nennenswerte Schutzfunktion innerhalb eines ansonsten hochriskanten Handelsinstruments darstellt.
Kaskadeneffekte am Markt
Besonders bedeutsam wird Liquidation als Phänomen, wenn viele gehebelte Positionen gleichzeitig betroffen sind. Fällt der Kurs einer Kryptowährung stark, werden zunächst die am höchsten gehebelten Long-Positionen liquidiert, deren zwangsweiser Verkauf zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugt und den Kurs weiter drückt. Dadurch geraten wiederum weniger stark gehebelte Positionen in den Liquidationsbereich, was den Effekt verstärkt und eine Kettenreaktion auslöst, die als Liquidationskaskade bezeichnet wird. Solche Kaskaden haben in der Geschichte des Kryptomarktes wiederholt zu besonders heftigen, kurzfristigen Kurseinbrüchen innerhalb von Minuten oder Stunden geführt, die weit über das hinausgingen, was durch fundamentale Nachrichten allein erklärbar gewesen wäre. Analysten beobachten daher regelmäßig sogenannte Liquidationskarten, die anzeigen, bei welchen Kursniveaus besonders viele offene Positionen liquidiert werden könnten, um mögliche Marktturbulenzen frühzeitig einzuschätzen.
Bedeutung für Anleger und Marktbeobachter
Für Trader, die selbst mit Hebel arbeiten, ist das Verständnis von Liquidation überlebenswichtig für das eigene Risikomanagement. Wer seinen Liquidationspreis nicht kennt oder zu hohe Hebel wählt, riskiert den Totalverlust der eingesetzten Margin bereits bei vergleichsweise moderaten Kursbewegungen, wie sie im Kryptomarkt regelmäßig vorkommen. Auch Anleger, die selbst nicht gehebelt handeln, sollten das Phänomen kennen, da massive Liquidationswellen kurzfristig auch den Kurs für Spot-Positionen, also ungehebelte direkte Bestände, erheblich beeinflussen können.
Viele der schärfsten kurzfristigen Kursbewegungen der vergangenen Jahre lassen sich zumindest teilweise auf solche Liquidationskaskaden zurückführen, weniger auf grundlegende Veränderungen der langfristigen Nachfrage. Ein Blick auf offene Zinsen und Liquidationsniveaus gehört daher für viele Marktbeobachter mittlerweile zum Standardrepertoire der Analyse, auch wenn er keine Anlageentscheidung ersetzen kann.