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Krypto-Lexikon

Orderbuch

Das Orderbuch ist die Liste aller aktuell offenen Kauf- und Verkaufsaufträge für ein Handelspaar an einer Börse. Es zeigt in Echtzeit, zu welchen Preisen Marktteilnehmer bereit sind zu kaufen oder zu verkaufen.

Aufbau und Funktionsweise

Ein Orderbuch besteht aus zwei Seiten: der Bid-Seite mit allen offenen Kaufaufträgen und der Ask-Seite mit allen offenen Verkaufsaufträgen. Jeder Eintrag zeigt einen Preis und die dazugehörige Menge, die ein Marktteilnehmer zu diesem Preis handeln möchte. Die Differenz zwischen dem höchsten Kaufgebot und dem niedrigsten Verkaufsangebot wird als Spread bezeichnet und gilt als wichtiger Indikator für die Liquidität eines Marktes. Je enger der Spread, desto liquider und effizienter ist in der Regel der Handel.

An den meisten Kryptobörsen wird das Orderbuch nach dem Prinzip des kontinuierlichen Doppelauktionsverfahrens betrieben: Neue Kauf- und Verkaufsorders werden automatisch mit passenden Gegenorders abgeglichen, sobald sich Preise überschneiden. Limitaufträge, die einen festen Preis vorgeben, bleiben so lange im Orderbuch stehen, bis sie ausgeführt oder zurückgezogen werden, während Marktaufträge sofort zum bestverfügbaren Preis gegen das bestehende Orderbuch ausgeführt werden.

Orderwände und ihre Wirkung auf den Preis

Besonders auffällig sind sogenannte Orderwände: große Kauf- oder Verkaufsaufträge, die sich an einem bestimmten Preisniveau konzentrieren. Eine massive Kauforder knapp unter dem aktuellen Kurs kann kurzfristig als Unterstützung wirken, weil sie signalisiert, dass an dieser Marke viel Kaufinteresse vorhanden ist und der Kurs dort abgefangen werden könnte. Umgekehrt kann eine große Verkaufsorder oberhalb des Kurses als Widerstand fungieren, da erst diese Menge abverkauft werden muss, bevor der Preis weiter steigen kann.

Allerdings sind solche Orderwände nicht immer das, was sie zu sein scheinen. Manche Marktteilnehmer platzieren große Scheinorders, sogenanntes Spoofing, um andere Händler zu täuschen und kurz vor der Ausführung wieder zurückzuziehen. Diese Praxis ist an regulierten Börsen verboten, kommt im weniger streng überwachten Kryptomarkt aber immer noch vor. Erfahrene Trader beobachten deshalb nicht nur die Größe einer Order, sondern auch, wie stabil sie über die Zeit im Orderbuch bestehen bleibt.

Orderbuch versus andere Handelsmodelle

Nicht jede Kryptobörse arbeitet mit einem klassischen Orderbuch. Dezentrale Börsen, sogenannte DEX wie Uniswap, nutzen häufig automatisierte Market-Maker-Modelle, bei denen Preise über mathematische Formeln und Liquiditätspools statt über direkte Kauf- und Verkaufsaufträge bestimmt werden. Zentrale Börsen wie Binance, Kraken oder Coinbase hingegen betreiben nach wie vor klassische Orderbücher, oft mit sehr hoher Liquidität bei den wichtigsten Handelspaaren.

Die Tiefe eines Orderbuchs, also wie viel Volumen sich in unmittelbarer Preisnähe befindet, unterscheidet sich stark zwischen Börsen und Handelspaaren. Bei sehr liquiden Paaren wie Bitcoin gegen US-Dollar auf großen Börsen ist das Orderbuch tief und stabil, bei kleineren Altcoins auf weniger bekannten Plattformen kann schon eine vergleichsweise kleine Order den Preis deutlich bewegen.

Praktische Relevanz für Trader

Für aktive Trader ist das Orderbuch ein zentrales Werkzeug, um kurzfristige Marktdynamiken einzuschätzen. Wer beobachtet, wie sich Kauf- und Verkaufsdruck im Orderbuch verändern, kann Rückschlüsse darauf ziehen, in welche Richtung sich der Preis kurzfristig bewegen könnte. Diese Technik wird oft als Orderbuch-Analyse oder 'Reading the Tape' bezeichnet und ist vor allem im kurzfristigen Handel verbreitet.

Für langfristig orientierte Anleger spielt das Orderbuch eine geringere Rolle, da einzelne Order-Bewegungen kaum etwas über die fundamentale Entwicklung eines Projekts aussagen. Dennoch schadet es nicht, den Unterschied zwischen Markt- und Limitorders zu verstehen und zu wissen, dass gerade bei geringerer Liquidität größere eigene Orders den Preis selbst beeinflussen können, was als Slippage bezeichnet wird.

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Hinweis: Dieser Beitrag dient der Begriffserklärung und stellt keine Anlageberatung dar. Kryptowährungen unterliegen hohen Kursschwankungen.